Sankt Florian -
Schutzpatron der Feuerwehr
Man sollte es kaum für möglich halten,
daß von einem Manne, der seine unwandelbare Gefolgschaftstreue und
Gesinnungsfestigkeit mit dem Tode besiegelt hat, heute als bekanntestes
nur noch ein windiger Volksspruch übriggeblieben ist, der die alte
Wahrheit beweist, daß manch einer vorgibt, Gott und seine Heiligen
zu lieben, während er's gleichzeitig mit der doch wahrlich ebenso
notwendigen Nächstenliebe gar nicht wichtig nimmt. Solches ist dem
heiligen Florian widerfahren und wären da nicht noch die leibhaftigen
Repräsentanten tatkräftiger Nächstenliebe, die wackeren
Mannen der Feuerwehr, - weiß Gott, es wäre wohl dem Heiligen
längst verleidet, sich von seinen Nachfahren hänseln zu lassen
mit dem losen Sprüchlein:
„O heiliger Sankt Florian, verschon´
mein Haus, zünd' and´re an!"
Neuerdings kann man den Spruch sogar in kleiner
Abwandlung wiederfinden auf jenen drallgebackenen Lebkuchenherzen, die
sich die Jugend an Fahnenweihen und Musikfesten von den Jahrmarktsbuden
kauft und gegenseitig umhängt. Da ist dann in grellem Buntdruck darauf
zu lesen: „O heiliger Sankt Florian verschon mein Herz, zünd' andre
an!" Als ob es den kichernden Trägerinnen sotaner eßbarer Herzen
darum zu tun wäre, ihr eigenes warmes Herz kein Feuer fangen zu lassen!
Wo sie doch selber mindestens ebenso "zum Anbeißen' sind wie die
billigen Herzen über ihrem echten!
Nun, der gestrenge Florian weiß schon:
Es ist mehr bloße Gedankenlosigkeit als nackte Mißgunst, was
das Volk so beten läßt, und daß kein rechtschaffener Christenmensch
seinem Nachbarn im Ernst den roten Hahn an den Kragen wünscht. Ganz
abgesehen davon, da es ihm dann bei der Gelegenheit auch blühen könnte!
Ganz große Stücke auf Sankt Florian
aber muß jener dreimal abgebrannte Bauer gehalten haben, der über
seinen Neubau den Vers gesetzt hat: „Dies Haus stand einst in Gottes Hand
- Und ist doch dreimal abgebrannt. Zum vierten Mal hab' ich's gebaut -
Doch nun Sankt Florian anvertraut!"
Zwar hat sich dieser Versdichter arg in der
Rangordnung der Werte verguckt und dem Gefolgsmann weit mehr zugetraut
als dessen Vorgesetztem, aber auch hier scheint's kein böser Wille
oder mangelndes Gottvertrauen gewesen zu sein, sondern das verstandesmäßig
nicht zu beweisende Gefühl, daß einfach der heilige Florian
für das Ressort "Brand und Feuer' der; am ehesten Zuständige
von allen Himmlischen sein müsse.
Noch drastischer drückt ein anderer Hausbesitzer
sein Vertrauen zum Heiligen aus, wenn er über seine Haustüre
schreibt:
„Dies Haus steht in Sankt Florians Hand
Verbrennt's, so ist's ihm seine Schand!"
Das ist nun freilich dieselbe Schulbubenlogik,
die jenes Büble sagen ließ: "Meinem Vater geschieht's grad recht,
wenn's mich in die Finger friert - warum kauft er mir keine Handschuhe?"
Unser Volk kennt zwei beliebte Heilige, die
mit Gefänßen abgebildet werden: Den heiligen Veit (oder lateinisch
gesprochen: „Sankt Vitus") und St. Florian. Der erste wurde jedoch nur
durch ein pures Versehen zum Patron der - Bettnässer: Weil er in einem
Kessel voll glühenden Öls zu Tode gemartert worden war, gab man
ihm später auf seinen Statuen solch rundes Behältnis als kennzeichnendes
Attribut in die Hand. Aus Material- und Platzmangel wurde dieser Kessel
zuweilen so klein dargestellt, im Verhältnis zu seiner Figur, daß
irgendwann und irgendwo einmal das Mißverständnis entstanden
ist, der gute Heilige trage da jenes allzumenschliche Geschirr in der Hand,
dessen man zuweilen, besonders nächtlicherweile, kaum entraten kann.
Und so erklärt sich die Entstehung jenes Gebetes, das die Omas und
Ammen der halben Welt in tausend Dialekten ihren Schützlingen vorzubeten
pflegen:
„Heiliger Sankt Veit: Weck´ mich bei
Zeit!
Nicht zu früh und nicht zu spät,
Daß nichts ins Bett geht!"
Kein Zweifel, daß es auch in diesem Spezialfall
oft recht „brandeilig" zugehen mag, aber unser heiliger Florian kam denn
doch echter und gerechter zu seinem Patronat für Feuersbrunst und
Brandgefahren, und damit auch zu seinem Schöpfgefäß, das
et auf seinen Bildern über den Brandherd ausgießt, der ihm zu
Füßen emporschwelt.
Er war der Zeitgenosse der heiligen Barbara,
gehört also in die letzte Etappe der Christenverfolgung. Allem nach
war die römische Provinz Noricum seine Heimat, also etwa Oberösterreich,
Steiermark und Kärnten. Als Oberst des römischen Heeres hatte
er sich pensionieren lassen. Noch war das Christentum offiziell nicht als
Staatsreligion anerkannt, wiewohl vernünftige Statthalter zuweilen
schon anderthalb bis zwei Augen zudrückten, wenn sie einen Christen
entdeckten. Aber immer wieder kam es unter Scharfmacher und Hundertfünfzigprozentigen
zu Säuberungen. vor allem im Heer. So wurden auch - es muß um
die dritte Jahrhundertwende gewesen sein im Römerkastell Lauriacum
dem heutigen Lorch an der Enns, vierzig christliche Soldaten vor die Alternative
gestellt: Entweder Treue zu Christus oder zum Kaiser Diokletian. Als ob
Fahneneid und Christentaufe sich, gegenseitig ausschlossen! Als Veteran
wäre Florian ohne weiteres als „nichtbetroffen" eingestuft worden,
aber er hatte einen so hohen Begriff von der Kameradschaft mit seinen einstigen
Waffengenossen, daß er schnurstracks sich aufmachte, um mit seinem
Bekenntnis ihre Standhaftigkeit zu untermauern. Sdion auf dem Hinweg fiel
er in die Hand der Häscher. Dann ergoß sich die ganze Litanei
des Leidens und Quälens über ihn: Folter und Zange, Geißel
und Peitsche, Brennen und Sengen bis zur Bewußtlosigkeit. Aber seine
Ohnmacht erwies erst die Ohnmacht all dieser sadistischen Mittel. Zuletzt
schleppt man einen Mühlstein herbei und hängt ihn dem Gemarterten
um den Hals, um ihn in die Enns zu stürzen, die seine Leiche ans Ufer
spülte, wo eine christliche Matrone namens Valeria ihm dann, ein würdiges
Begräbnis zuteil werden ließ. Bis zu seiner Bergung habe ein
Adler mit ausgebreiteten Fittichen seinen Leichnam bewacht, nachdem der
römische Adler ihn zur Leiche gemacht hatte.,
Heute steht dort das Barockstift St. Florian,
unter dessen Orgel Altmeister Anton Bruckner begraben liegt. Alle Berufe
aber, die es mit dem Brennen und Löschen zu tun haben: Die Köhler
und die Schmiede, die Kaminkehrer und die Zinngießer, die Schnapsbrenner
und allen voran die Feuerwehren haben ihn, den Feuergepeinigten und Wassergesteinigten,
zu ihrem Patron erwählt:
Es brennt, o heiliger Florian, Heut aller Orts
und Enden: Du aber bist der rechte Mann, Solch Unglück abzuwenden!'